Im Stern 3/2008 ist ein sehr interessanter Artikel bzw. ein Interview mit Robert Reich zu finden, in dem dieser über den Superkapitalismus spricht. Zitat:
„Wir sind einen Teufelspakt eingegangen [...] Die Welt wird vom ‘Superkapitalismus’ beherrscht. Und wir haben dieses Monster erst genährt – weil wir als Verbraucher immer billiger einkaufen wollen. Weil wir als Anleger den Hals nicht voll bekommen. Weil wir als Bürger träge geworden sind.“
Dem ganzen Schlamassel liegt doch ein bestimmtes Prinzip zugrunde: Jeder will mehr. Mehr Wachstum, mehr Geld, mehr Lohn, usw. Und im Einzelfall ist das auch immer schön nachvollziehbar. Wer ist schon bereit, auf etwas zu verzichten? In der Bibel find ich interessanterweise einen ganz anderen Ansatz: Geben ist seliger denn nehmen. Dass das (wiedermal) der Wahrheit um einiges näher kommt, merken jetzt sogar endlich die Experten. Aber es reicht leider oft immer noch nicht, damit endlich auch ein Gegenentwurf zum Kapitalismus entworfen wird. Das könnte dann z.B. lauten: Besser leben als viel haben (hab ich irgendwo aufgelesen und weiß nicht mehr wo). Aber das trifft den Punkt ziemlich genau. Das fängt beim bewußten Einkauf an und geht bis hinein in die Spiritualität. Auch da gibt es meines Erlebens nach viel zu viele ‘Gläubiger’ – Menschen, die etwas haben wollen. Mehr Erlebnis, mehr Lobpreis, mehr Event, mehr Leute. Beruhigend nur, dass Gott so viel für uns übrig hat
.
Januar 16, 2008 um 7:04 |
Den Satz „Geben ist seliger als nehmen“ findet man tatsächlich sowohl im Alten Testament als auch im Neuen. zB im 4. Buch Mose, bei den Weisheiten Salomos, als Ausspruch Jesu und in der Apostelgeschichte als Zitat Jesu, das Paulus an seine Gemeinde richtet.
Allerdings denke ich nicht, dass dieser Sinnspruch gegen den Kapitalismus an sich gerichtet ist, sondern den Menschen als Individuum persönlich anspricht. Die Lehren Jesu richten sich ja auch nicht allgemein gegen das Geldverdienen, sondern eher darauf, dem Geld keinen höheren Platz im Leben zuzuteilen als Gott, dem Herrn. Dazu gehört auch, seinen Wohlstand mit dem Nächsten zu teilen, eine Form der Nächstenliebe. Das Geben als altruistische Liebestat an einem anderen Menschen wird höher bewertet als das Raffen von Geld, das Sammeln von materiellen Schätzen, doch um zu geben zu können, muss der Mensch sich natürlich erst einmal etwas erarbeitet haben.
Ich halte es für unklug, den Kapitalismus abschaffen zu wollen, aber da du schon ein Bibelzitat bringst: Ich denke, die christliche Religion kann den Kapitalismus menschlicher gestalten. Dies muss allerdings bei jedem Menschen individuell geschehen und darf nicht in einem Systemumsturz gipfeln. Sozialismus ist nicht christlich, er ist materialistisch und unnatürlich. Er ist keine Alternative zum Kapitalismus, zumindest keine erstrebenswerte…
Januar 16, 2008 um 10:24 |
Hallo schwarzerkaffee,
Danke für Deinen Kommentar. Du hast Recht in dem Punkt, dass das Evangelium kein Wirtschaftssystem ersetzen kann – soll es auch gar nicht und das sollte auch in meinem Artikel gar nicht so rüberkommen. Aber wenn sich der Kapitalismus, also das „nehmen ist seliger als geben“, oder anders, Geld vermehren ist das oberste Prinzip, dem sich alles andere unterordnen muss, ungebremst verbreiten darf, dann wird das menschliche auf der Strecke bleiben. Wie du an der dicke der Schrift auch erkennen kannst, war meine Alternative zum Kapitalismus ja auch der Satz: „Besser leben statt mehr haben!“ Und zum einem qualitativ besseren leben zähle ich neben vielen anderen Punkten auch die geist(l)iche Grundhaltung, dass geben seliger ist als nehmen.
Aber in einer Sache stehe ich doch auf einer anderen Position: Ich halte die soziale Marktwirtschaft für das bisher beste und erstrebenswerteste Modell und ich halte es für extrem klug, den Kapitalismus abschaffen zu wollen (in dieser Meinung stimme ich übrigens mit Robert Reich überein und der doziert das ganze immerhin an der Uni).
Danke aber nochmal für Dein Interesse an diesem Thema; es kann nicht genug nachgedacht und diskutiert werden, um an einer Lösung für die großen ökonomischen Herausforderungen der nächsten Jahre mitzuarbeiten.
Januar 20, 2008 um 6:36 |
[...] – wie es ein Autor der Morgenpost hier erörtert: Staaten stechen sich untereinander aus. Stephan entlarvt den normalen Bürger dabei als Mittäter. In der “Zeit” wird ein scheinbar [...]